Der Bahnhof „Charlottestown“

Der Bahnhof Charlottestown ist zum einen der „Hauptbahnhof“ und zum anderen der einzige Endbahnhof  der RTR. Charlottestown ist die Hauptstadt von Terthana und obendrein das Zentrum von Tourismus, Wirtschaft, Bildung und Kultur der Insel. In vergangenen Zeiten hatte der Bahnhof viel Güter- und Personenverkehr zu bewältigen. Doch seit den 1960er Jahren ging es damit, wie überall auf der Welt, bergab. Da auf Grund der Lage Charlottestowns in einem, von steilen Bergen umrahmten Flusstal die Platzverhältnisse sehr beengt sind, wurde bereits Anfang der 1980er Jahre intensiv darüber nachgedacht, den Bahnbetrieb in Charlottestown komplett einzustellen und die Gleisanlagen sowie die Infrastruktur abzureißen, um mehr Platz für Straßen zu schaffen. Doch der damalige Tourismus- Minister  und heutige CEO der RTR Dr. Peter Bonham hatte die geniale Idee, die RTR zu einer Touristenattraktion umzubauen. Daraufhin wurden vorhandene Fahrzeuge repariert und neu lackiert und zu sogenannten „Theme Trains“ (nicht Steam Trains) zusammengestellt. Diese Theme Trains tragen die Namen und Farben der bekanntesten Züge der Welt, wie etwa „Glacier Express“, „Rheingold“, „Orient Express“, „Flying Scotsman“ oder „Santa Fe“ und sind ausschließlich dafür gedacht, Touristen die Sehenswürdigkeiten und die Schönheit der Insel näher zu bringen. Durch die geografischen Besonderheiten der Insel und den ungewöhnlichen Streckenverlauf sind Rundreisen um die Insel mit Start und Ziel in Charlottestown ohne weiteres  möglich. Obendrein konnte somit der reguläre Betrieb für die Industrie und den alltäglichen Personenverkehr aufrecht erhalten und finanziert werden.

So viel zum „Vorbild“.

Am Gleisplan für Charlottestown bastele ich schon ewig rum. Einer der ersten Versuche sah so aus:

Hier wurde das Umfahrgleis in den Bogen der Bahnhofs- Ausfahrt verlegt, wodurch sich ein klassischer Inglenook bildete. Allerdings war mir die Anlage so einfach zu schmal und, obwohl man ja viel auf die beengten Platzverhältnisse im Tal des „Grand River“ schieben kann, die angedachten Aufgaben des Bahnhofs ließen sich damit nicht wirklich erfüllen. So existiert zum Beispiel keine Möglichkeit, die Loks zu drehen. Da später auch Schlepptenderloks wie etwa die Magic Train Stainz mit Tender oder eine Bachmann 4-4-0 „American“ oder eine 0-4-0 „Porter“ mit Tender zum Einsatz kommen sollen, ist eine Drehscheibe eigentlich unverzichtbar.

Deswegen habe ich mir selbst 15 cm mehr Tiefe am oberen Schenkel der Anlage „genehmigt“. Sie steht ja im Wohnzimmer, da kann man nicht so wild rum planen und bauen… Nun sollte sich eine 10,5 Zoll (ca 27 cm) Drehscheibe von Kitwood Hills im Plan unterbringen lassen. In den nachfolgenden Gleisplänen habe ich die „kleine“ Fleischmann H0 Drehscheibe verwendet, da es in Scarm „natürlich“ keine Kitwood Hills Drehscheiben gibt… Die Fleischmann Scheibe hat eine kürzere Bühne aber dafür einen breiteren „Rand“ als die Kitwood Hills Drehscheibe. Von daher ist der Außen- Durchmesser nicht so sehr viel kleiner…

Als Mindestradius sind 18 Zoll (ca 46 cm) vorgesehen. Zum einen entspricht das genau dem Radius der bereits  vorhandenen Mehano Weichen und Gleise und zum anderen ist für fast alle in Frage kommenden Großserien Fahrzeuge (von Bachmann, die Magic Train Fahrzeuge benötigen deutlich weniger) als „optimaler Mindestradius“ eben jene 18 Zoll  angegeben worden. Da die Gleise praktisch vollständig im Sand „verschwinden“ werden, sollte der Einsatz von (billigem) H0 Gleismaterial optisch nicht wirklich störend sein, vor allem, da ich jede zweite Schwelle entfernen werde, wodurch die Gleise ohnehin eine sehr „schmalspurige“, eher schon „feldbahnmäßige“ Anmutung bekommen. Übrigens ist sowohl der Abstand als auch die Schwellengröße noch so gerade eben innerhalb dessen, was die DIN für Feldbahnen erlaubt. Selbst wenn man „streng“ in 1:45 denken würde, kann an sich das also noch „schönreden“…

Für die tatsächliche Gestaltung werden die Gleise noch mehr eingesandet und der Vogelsand wird vorher gesiebt, um die Kalkkörner und zu großen Sandkörner auszusieben.

Für den Gleisplan habe ich mit SCARM mehrere Varianten gezeichnet. Die erste Variante mit ausschließlich vorhandenem Gleismaterial sieht so aus:

Hierbei muss die Drehscheibe in die hinterste Ecke gelegt werden. Die nutzbaren Gleislängen sind sehr groß, so für ca 10- 12 Magic Train Wagen. So lange Züge werde ich sicher nie fahren.

Den gleichen Entwurf habe ich noch mal unter Verwendung von 2 Bogenweichen gezeichnet. Die Gleisführung sieht so zwar harmonischer aus, das Ganze hat aber zwei Nachteile. Zum einen habe ich keine Bogenweichen, müsste mich also erst auf die Jagd nach passenden und bezahlbaren Weichen begeben. Und zu anderen wird aller Voraussicht nach der eigentlich geplante 18″ Mindestradius in den abzeigenden Gleisen der Bogenweichen unterschritten werden. Im Plan sind Fleischmann Modellgleis Bogenweichen gezeichnet, wobei aber auch Piko oder Roco BW in Frage kommen würden…

Auch hier sitzt die Drehscheibe in der hintersten Ecke.

Bei diesen beiden Plänen kommt der Bahnsteig an Gleis 2, genauer zwischen Gleis 1 (immer von „oben“ her gezählt) und 2. Dazu würde es einen Behelfs- Bahnsteig zwischen Gleis 2 und 3 geben… Gleis 1 ist das Aufstell- und Wartegleis für den Pendler- Triebwagen der morgens früh um 5 die Schichtarbeiter aus Charlottestown zur Frühschicht in den Hafen von „Pirates Cove“ bringt. Auf dem Rückweg befördert er die Nachtschicht nach Hause und die Schüler zur Higschool von Charlottestown. Mittags bringt er die Schüler wieder nach Hause und die Arbeiter der Spätschicht zur Arbeit. Danach bringt der Triebwagen die Frühschicht wieder nach hause. Abends ab 21:00 Uhr passiert das Ganze noch mal für die Nachtschicht.

An Gleis 2 beginnen und enden die Touristenzüge, die tagsüber stündlich verkehren. Sofern es zu einer Zug-Kreuzung kommt, wird Gleis 3, das eigentlich das Umfahr- Gleis ist, zur Zugkreuzung genutzt. Dann kann der zuletzt angekommene Zug seine Lok nicht umsetzten, sofern auf dem Freiladegleis 4 noch Güterwagen abgestellt sind. Der Lokführer muss dann warten, bis der Zug auf Gleis 2 ausgefahren ist.

Gleis 4 ist für den nicht mehr sonderlich intensiven Güterverkehr vorgesehen. Das Gleis 4a bekommt eine Rampe und eine provisorische Überdachung (Holzpfosten mit Wellblech- Dach) um empfindlichere Güter vor einem eventuellen tropischen Regen zu schützen. Ich denke, weniger Gleise als die vorhandenen sind nicht möglich, um alle anfallenden Aufgaben zu bewältigen…

Aktuell bevorzuge ich aber eine dritte Variante, die deutlich ungewöhnlicher daherkommt und mehr freie Fläche übrig lässt. Dafür sind die Gleislängen nicht mehr so üppig. 6-7 Magic Train Wagen sind aber immer noch mehr als genug für die geplanten Zuglängen…

Hier ist die Drehscheibe nach Links gewandert und dient jetzt gleichzeitig auch zum Umsetzen der Loks. Dadurch konnte ein zusätzliches „Durchfahrtsgleis“ gewonnen werden. Gleis 1 dient jetzt als Umfahrgleis. Gleis 1a ist für den Pendlerzug vorgesehen, Gleis 2 ist das „Hauptgleis“ für die Touristenzüge und Gleis 3 ist als zusätzliches Gütergleis vorgesehen. Gleis 4 ist die Freiladestraße und 4a bekommt die Rampe und die Überdachung. Für Zugkreuzungen kann jetzt entweder Gleis 1 oder Gleis 3 genutzt werden, je nachdem welches Gleis gerade nicht belegt ist… Dadurch das die Drehscheibe jetzt besser zugänglich ist, kann man tatsächlich die Gleise im „BW“ als Ladegleise für die LiPo Akkus der Loks einrichten.

Der Gleisanschluss unten schließt (bei allen Varianten) eine große Rum- Destille an, die regelmäßig mit Zuckerrohr versorgt werden muss…

Der untere schmale Teil verschwindet hinter dem Fernseher. Auf der anderen Seite des Fernsehers wird es dann in einer späteren Ausbaustufe weiter gehen. Hier wird wohl eine Zuckerrohr- Plantage dargestellt (angedeutet) werden. Außerdem kommt hier in eine Nische ein Gleisoval, das über ein Gleisdreieck die Strecke nach Charlottestown aus beiden Richtungen anbindet. Das Gleisoval, welches teilweise hinter der Kulisse verläuft, soll den Rundkurs um die ganze Insel darstellen. Ein verdecktes „Schattenbahnhofsgleis“ wird es hier auch geben. In einer möglichen dritten Ausbaustufe könnte in einer weiteren Nische der Hafen Pirates Cove mit 1 oder 2 Gleisen angedeutet werden. Diese Option liegt aber noch viele Jahre in der Zukunft.

Die Geschichte der Royal Terthanian Railway.

Terthana ist eine Insel im Bermuda Dreieck. Das Klima ist tropisch warm, die Temperaturen fallen auch im Winter nur selten unter 25° C, der Durchschnittswert liegt bei 32°.

Da Terthana ausreichend Süßwasser zur Verfügung hat, hat sich eine üppige Vegetation entwickelt, die im Inneren einen fast undurchdringlichen Dschungel hervor gebracht hat. Dazu ist das Landesinnere auch noch ziemlich bergig. Deswegen hat sich menschliche Zivilisation vorrangig entlang der Küsten und des „Grand Rivers“ gebildet. An den Ufern des Grand Rivers wurde und wird auch heute noch intensiv Zuckerrohr angebaut, aus dem ein exquisiter Rum gebrannt wird. Die Hauptstadt der Insel, „Charlottestown“, hat etwa 20.000 Einwohner und liegt als einzige größere Ansiedlung nicht an der Küste sondern etwa 15 Km Landeinwärts am Grand River. Der größte Hafen der Insel, „Pirates Cove“ liegt an der Mündung des Grand River, im Osten der Insel. Hier landen Touristen und Fracht, die aus aller Welt kommen. Es gibt entlang der Küste noch 5 weitere Häfen, alle dienten einst ausschließlich zum Fischfang, werden in der heutigen Zeit aber mehr und mehr von Touristen und ihren Yachten „in Beschlag“ genommen… Einen internationalen Airport gibt es auf Terthana auch. Er liegt etwa auf halbem Weg zwischen Pirates Cove und Charlottestown, kann aber nur kleinere Flugzeuge abfertigen. Einen Airbus 380 oder eine Boeing 767 wird man hier nicht zu Gesicht bekommen.

Wirtschaftlich lebt die Insel vom Tourismus und vom Zuckerrohr. Auch Kokosnüsse und andere „exotische“ landwirtschaftliche Erzeugnisse werden exportiert. Industrie, abgesehen von Rum Destillen und Fisch Fabriken gibt es nur wenig. Erwähnenswert ist höchstens noch ein Möbel- Zulieferer, der seit etwa 1950 Möbel und Möbelteile aus Bambus und Rattan herstellt.

Es gab keine Ureinwohner auf Terthana. Die ersten Menschen, die zu Beginn des 16ten Jahrhunderts die Insel betraten, waren Spanier, auf dem Weg, Südamerika zu erobern. Vorherige menschliche Bewohner oder Besucher sind historisch nicht dokumentiert, aber natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen. Trotz den Spaniern blieb es britischen Piraten vorbehalten, die ersten einfachen Siedlungen auf Terthana zu errichten. Davon zeugt heute noch „Pirates Cove“. Zu Beginn des 17ten Jahrhunderts wurden die Piraten zunächst von Dänen vertrieben, die wiederum kurz danach den Franzosen weichen mussten. Dadurch kam Terthana aber noch lange nicht zur Ruhe. Mit dem Ausklingen des 17ten Jahrhunderts kamen die Briten und gliederten Terthana in das Königreich ein. Auch heute noch steht Terthana außenpolitisch unter britischer Verwaltung und gehört zum Commonwealth. Die „inneren“ Angelegenheiten regeln die Terthaner aber inzwischen unabhängig von London selbst. Die Nationalfarben von Terthana sind Palmengrün, Himmelblau und Sonnengelb, welche auch die Landesfahne schmücken. Die Amtssprache ist Englisch.

1897 wurde beschlossen, eine schmalspurige Eisenbahn zwischen Pirates Cove und Charlottestown zu bauen, um den Transport von Zuckerrohr und Rum zu beschleunigen. 1899 nahm dann die Royal Terthanian Railway ihren Betrieb auf. Zum Einsatz kamen die selben Fahrzeuge, die sich bereits in Wales auf den zahlreichen Schmalspurbahnen bewährt hatten. Aus dieser Zeit gibt es heute noch funktionsfähige Fahrzeuge, die immer noch im Einsatz sind. Zu Beginn des 20ten Jahrhunderts mehrten sich die Stimmen derjenigen, die auch die anderen Orte entlang der Küste an das Schienennetz angebunden haben wollten. So wurde von Prates Cove aus nach Norden und Süden weitere Strecken gebaut. Im Jahr 1912 fand schließlich in Shirley, einem Fischerdorf im Westen der Insel der Lückenschluss statt. Seitdem ist die RTR eine der ganz seltenen Bahn- Gesellschaften, die einen geschlossenen Ring- Verkehr aufweisen und Charlottestown der vermutlich einzige End- Bahnhof auf der Welt, bei dem ein Zug der ausgefahren ist, komplett gewendet wieder zurück kommen kann.

Nach dem zweiten Weltkrieg brachten die Engländer vermehrt Schienenfahrzeuge aus Deutschland und Österreich nach Terthana. Auf Grund des größeren Lichtraumprofils konnten diese Reparationszahlungen nicht ohne Weiteres auf der britischen Insel eingesetzt werden. Aber auf Terthana ließen sich diese Fahrzeuge verwenden. Die RTR bedurfte sowieso einer grundlegenden Verjüngung, so lag es nahe, diese Fahrzeuge hier zu stationieren. Außerdem hat die RTR auch in den nahe gelegenen USA günstig Fahrzeuge erworben. Seit den 1950er Jahren bietet sich so ein ungewohnt abwechslungsreiches Bild auf den Schienen der RTR. Fahrzeuge aus USA, Großbritannien und Kontinental- Europa vermischen sich zu einem einmaligen Bild.

So viel zur Geschichte von Terthana und der RTR.

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Wer Terthana bei Google sucht, wird nicht fündig. Die Insel und ihre Geschichte ist frei erfunden. Der Name Terthana und ein Teil der Historie leiten sich von Tortola, der Haupt- Insel der britischen Jungferninseln ab. Ursprünglich hieß Tortola Holländisch „Tertholen“ und Spanisch „Santa Ana“, zusammengesetzt „Terthana“.

Ein Hinweis zum Bild oben.  Dieses Foto stammt im Gegensatz zu den meisten anderen Fotos auf dieser Webseite nicht von mir. Auf dem Bild ist die Insel Bora Bora zu sehen, doch genau so stelle ich mir „mein“ Terthana vor.  Ich habe das Bild aus dem Internet geladen, wo es freundlicherweise zur freien Nutzung bereitgestellt wurde. Nicht mal einen Hinweis auf den Author wurde vorgeschrieben/verlangt.  In der Tat weiß ich nicht, wer dieses wunderbare Foto gemacht hat. Deswegen möchte ich mich auf diesem Weg bei dem unbekannten Author für das schöne Foto bedanken…